Die eigenen
Wünsche

Aus den Morgengedanken im ORF-Radio von Diakonie 
Direktorin Maria Katharina Moser zum Thema Demenz

Regina ist im Burgenland aufgewachsen. Als junges Mädchen war sie in Wien im Dienst. Dann kam der Krieg. Regina ist zurück ins Dorf zu den Eltern gegangen, hat eine Tochter bekommen, geheiratet. Die Ehe war nicht gut. Ihr Mann Kurt hat sie klein gehalten. Immer war er grantig. Sein Weltverdruss hat die Beziehung belastet. Regina hat das als ihr Schicksal angenommen. Sie war – typisch für ihre Generation – eine Frau, die ihre Gefühle nicht so wichtig genommen und ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche hintangestellt hat.

„Zu dem setz i mi ned!“

Als Regina Demenz bekam, da hat sich das geändert. Schranken sind gefallen, Regina hat angefangen, sich zu behaupten und ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen – auf ihre Art. Sie und Kurt haben im Heim gelebt. Kurts Welt bestand aus Fernsehen. Jedes Mal, wenn sie bei Kurts Fernseher vorbeiging, hat Regina dem Gerät einen Rempler versetzt. Einmal, als eine Pflegerin sie aufgefordert hat, sich zum Kaffeetrinken neben ihren Mann zu setzen, hat Regina gesagt: „Ist das der Kurt? Na, zu dem setz i mi ned.“

Wenn Menschen mit Demenz leben, schwindet vieles. Aber die Fähigkeit, Gefühle ausdrücken, bleibt. Für ein gutes Leben mit Demenz.

(Beitrag nachhören unter https://religion.orf.at/radio/stories/2971408/ )

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