Gutes Leben mit Demenz in Zeiten von Corona

Ratgeber und Tipps für Angehörige und Betroffene mit Demenz zum Schutz vor dem Coronavirus

Zu Haus bleiben, Kontakte möglichst auf Personen beschränken, mit denen man in einem Haushalt lebt, Abstand halten. Auch Menschen, die mit Demenz leben, müssen aufgrund des Corona-Virus in die Isolation. Das belastet die Betroffenen selber ebenso wie die Angehörigen.

Menschen mit Demenz leben in einer Gefühls-Welt. Sie spüren die Angst und Verunsicherung, die in der Corona-Krise allgemein herrscht. Sie nehmen dieses Gefühl der Angst und Verunsicherung auf, werden selbst unsicherer, unruhiger, agitierter, verwirrter. 

Das wiederum stresst Angehörige, die für sie sorgen. Besonders, wenn man in einem gemeinsamen Haushalt lebt - eine Spirale von Verunsicherung, Verwirrung, Stress und weiterer Verunsicherung.

Corona & Demenz: Viele Angehörige fragen sich: Wie kann diese Spirale unterbrochen werden? Wie erkläre ich meinem Angehörigen mit Demenz, was gerade los ist? Wie kann ich ihn oder sie beruhigen?

Häufige Fragen zum Coronavirus und Demenz - ein Ratgeber für Angehörige

Diese Hilfestellungen unterstützen Angehörige und Betroffene in den nächsten Wochen während der Corona-Krise:

Für viele Menschen ist es wichtig, sich in neuen, verunsichernden Situation zu informieren und die Informationen im Gespräch mit anderen zu verarbeiten. Niemand hat eine Situation wie diese Corona-Krise je erlebt. Vielen hilft es, mit anderen darüber zu sprechen und das, was man in Medien gelesen oder gehört hat, zu wiederholen und zu diskutieren. Damit die Information sickern kann. Damit wir verstehen, was los ist.

Für Menschen mit Demenz funktioniert genau das oft nicht. Angehörige berichten, dass sie Menschen mit Demenz immer und immer wieder erklären müssen, warum das Corona Virus gefährlich für sie ist. Menschen mit Demenz hören die Erklärung und vergessen die Informationen wieder – was bleibt, ist das Gefühl der Unsicherheit und Angst. 

Menschen mit Demenz können gesprochene Sprache immer weniger verstehen. Sie können sich selber auch immer weniger mit Worten ausdrücken. Viele Worte verwirren sie. 

Die Sprache von Menschen mit Demenz ist die Sprache der Gefühle, die Sprache des Körpers, die Sprache der Rituale.

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Die Antwort auf diese Frage wird nicht für alle gleich ausfallen. Sie ist – personenzentriert – für jede und jeden einzeln zu beantworten.

Wenn Menschen mit Demenz nachfragen, was denn da los sei – weil sie in den Nachrichten hören, dass Schulen geschlossen sind oder an geschlossenen Geschäften vorbeigehen – dann verdienen sie eine ehrliche Antwort. Menschen mit Demenz anzulügen, ist auch in der Corona-Krise nicht richtig. Und es gibt natürlich auch Menschen mit Demenz, die wissbegierig sind und Dinge noch gut einordnen können.

Für nicht wenige Menschen mit Demenz, ist aber wichtiger zu verstehen, was genau los ist, als zu verstehen: Ich bin nicht alleine. Ich bin sicher.

Versuchen Sie, Ihrem Angehörigen mit Demenz zu verstehen zu geben: Ich bin bei dir. Ich kümmere mich. Du bist nicht allein.

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Ein Problem ist, dass wir dieses Da-Sein und diese Sicherheit Menschen mit Demenz oft durch Berührung zu verstehen geben. Berührung beruhigt. Aber Berührung ist in Zeiten von Corona schwierig.

Auch hier gilt: Es gibt keine einfache allgemeine Antwort. Abstand halten ist wichtig, aber nicht immer möglich. Besonders dann, wenn Menschen mit Demenz Unterstützung beim Anziehen, Gehen, Aufstehen brauchen. Es gilt abzuwägen: So wenig körperlichen Kontakt wie möglich, so viel Berührung wie nötig.

Es gibt auch andere Möglichkeiten, Nähe und Sicherheit zu vermitteln: gemeinsam etwas tun und Sicherheit durch Struktur.

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Die Antwort auf die Frage, wie kann ich meinen Angehörigen mit Demenz beruhigen, lautet: so, wie immer.

Nehmen Sie die Gefühle und Bedürfnisse Ihres Angehörigen ernst und gehen Sie darauf ein!

Suchen Sie nach Möglichkeiten der Aktivität, vor allem, wenn gewohnte Aktivitäten (Besuche, Gasthaus, Tiergarten …) wegfallen. Überlegen Sie: Was mag mein Angehöriger gern? 

• Mit den Händen was tun (stricken, basteln, …)
• Gemeinsam etwas Gutes essen. Ein vertrauter Duft, der durch die Wohnung zieht.
• Gemeinsam alte Filme schauen. Virtuelle Musen im Internet besuchen. Musik hören.
• Spielen. Rätsel lösen.
• Eine Vorlesestunde. Überlegen Sie bei der Vorlesestunde, ob Sie jetzt, da die Medien voll von Corona-Berichterstattung sind, nicht besser zu einem Buch greifen als zu Zeitungen.
• Gemeinsam Singen. Gemeinsam Klänge erzeugen (Trommeln).
• Gemeinsam beten. 
• Fußbad mit besonders duftenden Badezusätzen 
• Menschen mit Demenz, die gerne „nesteln“, etwas zum Angreifen anbieten z.B.: Fühlschnur, wo bestimmte Gegenstände befestigt sind oder eine Box zum Kramen (die befestigten oder beinhaltenen Gegenstände sollten mit den Interessen der Personen zusammenhängen) 
 

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Rhythmus und Struktur geben Sicherheit. Überlegen Sie sich eine Tagesstruktur, die sich jeden Tag wiederholt. Suchen Sie drei Fixpunkte, die jeden Tag wiederkehren.

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Bewegung ist wichtig, damit Menschen mit Demenz Energie abbauen können und müde werden. Auch frische Luft ist wichtig, nicht zuletzt für die Lunge.

Auch hier müssen Sie aufgrund der aktuellen Ausgangbeschränkungen abwägen. Ein Spaziergang mit einer Person, mit der man im gemeinsamen Haushalt lebt, ist jedenfalls erlaubt.

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Holen Sie sich Unterstützung!

Für Ihren Angehörigen mit Demenz sind Sie während der häuslichen Isolation die wichtigste Bezugsperson und Stütze. Das müssen Sie nicht alleine stemmen! Wenn Ihnen alles zu viel wird, ist niemandem gedient – Ihrem Angehörigen mit Demenz nicht und Ihnen selber nicht.

  • Auch wenn wir alle soziale Kontakte geringhalten müssen: Vereinbaren Sie mit einem anderen Familienmitglied oder einer Bekannten eine Ablöse!
  • Suchen Sie sich jemanden, der/die ein offenes Ohr für Sie hat und mit dem/der Sie Ihre Sorgen teilen können!
  • Achten Sie auf sich selbst und Ihre Bedürfnisse!
  • Nehmen Sie Beratung in Anspruch!

Telefonische Beratung der Diakonie

  • Demenzberatung Graz: 0664 85 82 797 (Werktage 9-13 Uhr)
  • Demenzberatung Salzburg: 0664 85 82 682  (Werktage 8-12 Uhr)
  • Demenz-Infotelefon Kärnten: 0664 88963191 (Werktage 8-16 Uhr)
  • Telefonische Beratung Oberösterreich: 
    • Innviertel: 07724 / 5048 222 (Johannes Strasser)
    • Urfahr Umgebung: 07235 / 63251 701 (Peter Kumar- Reichenberger)
    • Linz: 0732 / 774922 7701 (Gerhard Winkler)

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