Alltagsgestaltung 
bei Demenz

Der Alltag wird reich durch Begegnungen auf einer emotionalen und persönlichen Ebene, mit Augenblicken von Nähe und Zärtlichkeit, mit Freude, Glück und Humor. 
"Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird."

(Christian Morgenstern)

Menschen mit Demenz verlieren schon in einem frühen Stadium der Erkrankung die Fähigkeit, Alltagsaktivitäten zu planen und durchzuführen. Ohne Unterstützung kommen sie mit dem Alltag nicht mehr zurecht. Sie sind weniger belastbar, vergessen kompliziertere Handlungsabläufe, können Tätigkeiten nicht mehr zu Ende durchführen oder vergessen wichtige Teile davon.

Im frühen Stadium der Demenz gehen Fähigkeiten verloren, wie beispielsweise den Haushalt selbstständig organisieren und Autofahren. Im mittleren Stadium gehen auch die Selbstpflegefähigkeiten langsam verloren. Die betroffenen Personen merken, dass sie selbstverständliche Tätigkeiten, die sie ein Leben lang selbstständig durchgeführt haben und die zum Erwachsensein gehören, auf einmal selbst nicht mehr bewältigen können. Das ist sehr beunruhigend für sie. Erst wollen es die Meisten nicht wahrhaben, sie entwickeln Strategien, den Alltag trotz der Defizite zu bewältigen und es vor den anderen geheim zu halten. Es dauert oft ziemlich lange, bis die Umgebung davon etwas mitbekommt. Bedenken Sie, dass diese Fassade ein Selbstheilungsversuch ist. Versuchen Sie nicht, die Defizite zu „beweisen“ sondern unterstützen Sie die Person dabei, ihre Würde aufrecht zu halten.

Mit dem Fortschreiten der Erkrankung verlieren die Personen die Fähigkeit zur Krankheitseinsicht und zur Reflexion. Daraus resultieren sehr viele Probleme für die Angehörigen. Die Betroffenen versuchen gewohnte Tätigkeiten fortzuführen, schaffen es aber nicht mehr richtig. Es braucht sehr viel Fingerspitzengefühl und Kommunikationsfähigkeit mit diesen Situationen umzugehen. Es geht darum, einerseits Gefahren vorzubeugen und zu vermeiden, andererseits die Unabhängigkeit zu fördern, Selbständigkeit und Selbstwert nicht zu untergraben.

Bedürfnisse von Menschen mit Demenz

  • Bedürfnis nach Liebe: bedingungslose, großzügige Liebe, Wertschätzung, Trost
  • Bedürfnis nach Identität
  • Bedürfnis, für andere bedeutsam zu sein, noch zu etwas gut zu sein
  • Bedürfnis nach sinnvoller Beschäftigung
  • Bedürfnis nach Gemeinschaft, Begegnung, Einbeziehung

Jeder Mensch ist anders, verändert sich im Laufe der Erkrankung, es gibt keine Patentrezepte und selbst Lösungen, die an einem Tag funktionieren, klappen vielleicht am nächsten Tag nicht. Dennoch gibt es gewisse Richtlinien und Hinweise, die hilfreich sein können. Letztlich muss man Verschiedenes ausprobieren.
 

Zusammenleben mit einem Menschen mit Demenz

Das Zusammenleben mit einem Menschen mit Demenz kann aber neben aller Problematik auch viele schöne und lustige Momente bereithalten: 

  • Begegnungen auf einer emotionalen Ebene,
  • Augenblicke von Nähe und Zärtlichkeit,
  • Freude, Glück und Humor.

Menschen mit Demenz entwickeln ein gutes Gespür für Stimmungen und Gefühle, sind empfänglich für Berührungen, zeigen menschliche Wärme, helfen gerne und sind spontan. Der Verlust von kognitiven Fähigkeiten bedeutet nicht unbedingt, dass die Menschen immer leiden. Auch Menschen mit Demenz können glückliche und zufriedene Zeiten im Leben erfahren.

In unserer Gesellschaft haben Rationalität, Autonomie, Effektivität und Produktivität einen sehr hohen Stellenwert. Vielleicht können uns unsere Mitmenschen mit Demenz wieder etwas über den Wert des Augenblicks, von Gefühlen und Beziehung lehren.
 

Tipps für
das Zusammenleben

  • Überdenken Sie die eigenen Ansprüche.
    Vielleicht müssen sie für manches neue Maßstäbe finden und nicht mehr den Anspruch haben, dass alles genauso wie früher oder alles perfekt sein sollte (Bsp.: man muss sich nicht täglich waschen,man kann vielleicht auch originell angezogen sein). Damit ersparen Sie sich beiden viel Stress und Ärger.
  • Bei Konflikten oder Widerstand vermeiden Sie Konfrontationen 
    Auch noch so logische Argumente werden nicht fruchten. Versuchen Sie es stattdessen mit Ablenkung oder gehen Sie aus der Situation und probieren es zu einem späteren Zeitpunkt wieder
  • Wenn gewisse Pflegehandlungen abgelehnt werden, 
    kann man zum Beispiel versuchen, dabei zu singen oder etwas zu plaudern. Schaffen Sie eine angenehme Atmosphäre und Leichtigkeit und führen Sie die Pflegehandlung so nebenbei durch.
  • Beziehen Sie so früh als möglich und so oft als möglich professionelle Unterstützung
    oder andere Hilfe mit ein. Warten Sie nicht so lange, bis Sie schon ganz erschöpft sind. Manche Dinge, die zu Hause vielleicht sehr problematisch sind oder abgelehnt werden, funktionieren bei der „Schwester“ oder im Tageszentrum problemlos.
  • Etwas miteinander tun 
    und Handlungen vormachen, die nicht klappen, ist besser als verbale Erklärungen.
  • Es ist günstig, auch kleine Hinweise von Unruhe, Ärger etc. zu erkennen
    und möglichst vorbeugend zu agieren damit diese gar nicht erst aufkommen.
  • Es geht nicht darum was getan wird, sondern wie es getan wird,
    was es für die betreffende Person bedeutet und wie sie sich dabei fühlt.
  • Freude am Tun ist wichtiger als das Ergebnis. 
    Das reine Tätig-sein schafft Befriedigung und Freude. Selbst etwas tun lassen im eigenen Tempo in der eigenen Art!
  • Humor macht alles leichter!
  • Nehmen Sie sich bewusst Zeit, immer wieder etwas Schönes und Angenehmes miteinander zu tun.
  • Überfordern Sie sich auch selbst nicht,
    akzeptieren Sie, dass manches nicht klappt, vielleicht funktioniert es das nächste Mal. Scheitern ist erlaubt!
  • Vergessen Sie nicht, gut für sich selber zu sorgen!
  • Wenn Sie an den Alltag mit Ihrem Angehörigen denken,
    welche Alltagssituation verlaufen unkompliziert und problemlos?
  • Bzw. für welche ursprünglich problematische Situation haben sie eine kreative, hilfreiche Lösung gefunden?
  • Welche Alltagssituation stellt für sie derzeit eine große Herausforderung dar?
  • Wo halten Sie noch immer fest, was der Partner / Mutter / Vater früher war?

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