Verdacht
auf Demenz

"Umgangssprachlich wird häufig behauptet, wir Menschen mit Demenz entwickelten uns wieder zu Kindern. … Wir sind keine Kinder. Wir blicken auf ein langes Leben mit Erfahrungen und Erinnerungen zurück, in dem wir Werte und Haltungen entwickelt haben. … Warum sollten wir aber, die wir die Volljährigkeit längst erreicht haben, auf unsere Selbstbestimmung verzichten wollen?" 

(aus: Rohra, Helga, Aus dem Schatten treten. Warum ich mich für unsere Rechte als Demenzbetroffene einsetze, Frankfurt a.M. 3. Aufl. 2012.)

Die Erkenntnis, dass sich die eigene geistige Leistungsfähigkeit oder die eines Angehörigen in den letzten Monaten oder Jahren deutlich verschlechtert hat, ist zumeist ein längerer, mit vielen Befürchtungen und Ängsten verbundener Prozess. Viele Menschen, vielleicht gehören auch Sie dazu, zögern deshalb eine Untersuchung viel zu lange hinaus.

 

Symptome einer Demenz früh erkennen

Für die von Ihnen festgestellten Veränderungen kann es verschiedene Ursachen geben; vielleicht sind sie weniger schwerwiegend, als Sie befürchten, vielleicht sind sie auch Begleitsymptome einer leicht behandelbaren körperlichen oder psychischen Krankheit. Das kann jedoch nur ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin durch eine gründliche Untersuchung feststellen.

Aber auch dann, wenn Sie oder ihr Angehöriger tatsächlich von einer Demenz betroffen sein sollten, ist es ganz wichtig, frühzeitig etwas zu unternehmen. Eine klare Diagnose zu einem frühen Zeitpunkt der Erkrankung hilft nicht nur Ihnen, sich rechtzeitig auf die mit der Krankheit verbundenen Veränderungen einzustellen, sondern auch den behandelnden Ärzten, eine optimal angepasste Therapie einzuleiten.

Die Abklärung einer Demenz in einem frühen Krankheitsstadium ist in der Regel ein mehrstufiger Prozess, bei dem unterschiedliche Untersuchungsmethoden eingesetzt werden, um eine sichere Diagnose stellen zu können.

Folgende Fragen müssen dabei beantwortet werden

  • Hat sich die kognitive Leistungsfähigkeit im Gegensatz zu früher tatsächlich verschlechtert?
  • Sind die Symptome so gravierend, dass ein begründeter Verdacht auf eine Demenzerkrankung besteht, oder handelt es sich z. B. um eine leichte kognitive Störung, bei der nur die Merkfähigkeit beeinträchtigt ist?
  • Werden die Symptome möglicherweise durch eine andere Krankheit verursacht, wie z. B. eine Depression, Stoffwechselerkrankung, Infektion, den Missbrauch von Alkohol oder Nebenwirkungen von Medikamenten?
  • Um welche Demenzform handelt es sich? (z. B. Alzheimer-Demenz, vaskuläre Demenz, Lewy-Body-Demenz)
    Wie weit ist die Erkrankung bereits fortgeschritten? Welche medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien sind in diesem Krankheitsstadium am besten geeignet, den weiteren Verlauf positiv zu beeinflussen?

Ihr Hausarzt bzw. Ihre Hausärztin kann in der Regel durch einfache Untersuchungen klären, ob die Symptome krankheitswertig sind oder nicht. Dazu gehört ein ausführliches Gespräch mit dem Betroffenen und Angehörigen bzw. nahestehenden Personen, die mit der Situation gut vertraut sind. Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin wird dann verschiedene körperliche Untersuchungen, eine Blutanalyse und wahrscheinlich auch einen kurzen Test zur Überprüfung des Gedächtnisses durchführen.

Bei einem auffälligen oder unklaren Befund sollte immer eine genauere Abklärung durch zusätzliche Untersuchungen bei den entsprechenden FachärztInnen oder in einer spezialisierten Gedächtnisambulanz erfolgen. Hier arbeiten Fachleute aus verschiedenen Disziplinen eng zusammen, z. B. PsychiaterInnen, NeurologInnen, PsychologInnen und GeriaterInnen.

Untersuchungsverfahren bei Demenzverdacht

Zu den wichtigsten Untersuchungsverfahren gehören: 

Darunter versteht man Techniken wie die Computertomograhie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), die die anatomische Struktur des Gehirns im Querschnitt abbilden und Veränderungen, die charakteristisch für eine Demenz sind, sichtbar machen können. In Einzelfällen, z. B. bei Verdacht auf eine seltene Demenzform, werden auch aufwändigere, sogenannte funktional bildgebende Verfahren eingesetzt, die Stoffwechselprozesse im Gehirn bildlich darstellen und wichtige zusätzliche Informationen liefern können (PET, SPECT).

Neuropsychologische Tests spielen eine zentrale Rolle bei der Abklärung eines Demenzverdachts, der Bestimmung des Demenz-Schweregrades, der Differentialdiagnostik sowie der Therapieplanung. Mit den eingesetzten Testverfahren werden gezielt verschiedene kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache, Orientierung, Denkfähigkeit oder die Bewältigung komplexer Situationen überprüft.

Wenn die Ergebnisse aller Untersuchungen vorliegen, kann eine Demenz sicher diagnostiziert werden. Die Demenzform dagegen lässt sich heute zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit, aber nicht mit absoluter Sicherheit bestimmen; das ist nur durch eine Autopsie möglich.

 

Warum ist eine frühe Diagnose so wichtig?

Ein wichtiges Ziel der Frühdiagnostik ist der Ausschluss anderer, ursächlich behandelbarer Erkrankungen: Demenztypische Symptome wie Gedächtnisstörungen, Schwierigkeiten bei der Alltagsbewältigung, Orientierungsprobleme oder Stimmungsveränderungen können auch als Begleitsymptome verschiedener psychiatrischer, neurologischer oder internistischer Krankheiten auftreten.

Wird dagegen eine Demenz diagnostiziert, lassen sich die Symptome mit den zur Verfügung stehenden medikamentösen und nicht medikamentösen Therapien umso wirksamer behandeln, je eher damit begonnen wird:

Ein frühzeitiger Behandlungsbeginn sowie eine konsequente Therapie können nachweislich den Krankheitsverlauf verzögern, und verbessern zumeist deutlich die Lebensqualität. 

Wird eine Demenz bereits im Anfangsstadium als solche erkannt, hat die betroffene Person ausreichend Zeit, sich über ihre Erkrankung zu informieren und mit der Diagnose auseinanderzusetzen, solange sie dazu noch kognitiv in der Lage ist. Sie kann gemeinsam mit ihren Angehörigen nach einem für alle Beteiligten gangbaren Weg suchen, der ihnen hilft, mit den vorhandenen und zukünftigen Einschränkungen so gut wie möglich zurechtzukommen; und es ist für sie jetzt auch noch möglich, selbständig die notwendigen Entscheidungen für die Zeit treffen, in der sie zunehmend abhängiger von der Unterstützung und Betreuung anderer Menschen werden wird.

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